Darmstädter Echo            vom 24.06.2013                           ( Bettina Bastian )   

 Löwen-Lichtspiele in Reichelsheim schließen

REICHELSHEIM. Nach 94 Jahren schließen die Löwen-Lichtspiele in Reichelsheim. Ab Ende 2014 verleihen die Produktionsfirmen ihre Filme nicht mehr auf analogen Rollen. Eine Umrüstung auf die digitale Vorführgeräte ist für das kleine Kino im Odenwald zu teuer.
Viele technische Revolutionen haben die Löwen-Lichtspiele in Reichelsheim mitgemacht: 1919 startete der Kinobetrieb – damals mit schwarz-weißen Stummfilmen. Später wurden dann auch Farbe und Ton auf die Leinwand gebannt.
2014 folgt der vorerst letzte Schritt: Filmkopien werden nur noch digital erhältlich sein, das Zelluloid als Speichermedium hat ausgedient. Für die Familie Tritsch und ihre Löwen-Lichtspiele bedeutet diese Umstellung das Aus: „Mit einem Jahresumsatz von um die 16 000 Euro können wir nicht 80 000 Euro in Digitaltechnik investieren“, erklärt Heidi Tritsch, die gemeinsam mit ihrer Schwester Rosi Schnurr das Kino in der mittlerweile vierten Generation führt.
Ihr Urgroßvater, der Gastwirt Philipp Tritsch, hatte die alte Scheune 1895 zum Tanzsaal ausgebaut. 1919 verpachtete er die Räumlichkeiten an Philipp Weimar, der, wie aus Dokumenten aus dem Reichelsheimer Gemeindearchiv hervorgeht, die Erlaubnis zum Kinobetrieb vom Landrat des Kreises Erbach erhielt.
Acht Jahre später übernahm Tritsch-Sohn Friedrich selbst das Lichtspielhaus, das seinen Namen dem Gasthaus „Zum Löwen“ verdankt, das die Familie bewirtschaftete. Ein Foyerraum und ein abgeschrägtes Dach, um Platz für die

Leinwand zu schaffen, wurden angebaut. Auch Sohn Friedrich Junior trat natürlich in die Fußstapfen des Vaters. Bis 2004 war er der Reichelsheimer Filmvorführer, danach übernahmen die Töchter nach und nach das Ruder – als Hobby, denn beide sind voll berufstätig.
Dass das Kino jetzt schließt, ist für Vater Friedrich Tritsch nicht leicht. Aber: „Was sein muss, muss sein“, meint er. Er berichtet von Zeiten, als das Kino regelmäßig voll war: „Während des Krieges war bei uns viel los. Es gab ja nicht viel anderes“, sagt der 88-Jährige.
Heidi Tritsch erinnert sich lebhaft an ihre Kindheit in der Kino-Familie: „Schon als Kinder haben meine Schwestern und ich Eintrittskarten abgerissen.“ Während der Filme durften sie dann auch in den Kinosaal. „Wir saßen immer auf den Plätzen eins und zwei ganz hinten neben der Kasse“, erzählt sie. „Auf Kissen, damit wir auch etwas sehen konnten.“
Bei Altersbeschränkungen sei bei den Töchtern schon mal ein Auge zugedrückt worden. „Aber zu brutale oder blutrünstige Filme haben wir sowieso nicht gezeigt. Das war unsere Maxime“, berichtet Tritsch. Das Filmprogramm umfasste vor allem amerikanische, deutsche und französische Produktionen. 2007 kam es zu einem Bruch: Immer weniger Jugendliche besuchten das Reichelsheimer Ein-Saal-Kino. Heidi Tritsch erklärt sich das damit, dass es immer leichter wurde, sich Filme im Internet zu besorgen: „In diesem Jahr haben die jungen Leute zu Weihnachten bestimmt alle Programme zum Filme-Herunterladen geschenkt bekommen“, vermutet die Vorführerin. Seitdem konzentrieren sich die Tritschs bei der Auswahl eher auf das ältere Publikum.
 

Doch auch da sei es immer schwieriger geworden, noch Kopien auf Filmrollen zu bekommen: „Zuletzt haben wir die französische Tragikomödie ,Mademoiselle Populaire’ gezeigt. Da gab es für Deutschland gerade einmal drei Kopien“, beschreibt Tritsch die schwierige Situation für Kinos mit analoger Abspieltechnik.

Für den Kinosaal geht es nach der Schließung erst einmal zurück zum Ursprung: Die Scheunenanbauten werden abgerissen. Heidi Tritsch plant, sich in dem Gebäude eine Wohnung einzurichten. Leinwand, Vorhang, das Lautsprechersystem und die Kinositze werden verkauft. Eine Vorführmaschine, ein 60 Jahre alter Projektor der Firma Bauer, behalten die Tritschs – als Erinnerung an ihre lange Familiengeschichte als Filmvorführer.

Am vergangenen Samstag wurde im alten Kino mit dem roten Vorhang, samtbezogenen Holzkinosesseln und cremeweiß verkleideten Wänden der letzte Film gezeigt: Woody Allens „Whatever works“.

 Darmstädter Echo            vom 18.02.2009                           ( Kirsten Sundermann )   

 Popcorn weicht Drei-Gänge-Menü

REICHELSHEIM. Wer is(s)t schon gern allein? Diese Frage, die in einem jüngeren Kinofilm mit dem beziehungsreichen Titel „Zusammen ist man weniger allein“ beantwortet wird, inspirierte Christoph Bertsch, Küchenchef des Gasthauses „Zum Schützenhof“ in Gumpen, zu einem neuartigen Experiment: In Zusammenarbeit mit den Besitzerinnen der Löwen-Lichtspiele von Reichelsheim, die den besagten Film hierfür eigens ins Programm nahmen, lud er am Valentinstag „nicht nur Verliebte“ zu einem Drei-Gänge-Menü auf Kinostühlen ein. Ein enges Vergnügen, das aber von rund 200 Gästen mit Begeisterung angenommen wurde.

Zum Auftakt gab es einen Aperitif, gefolgt von einem Salat mit Forellenmousse, danach eine Hälfte des Films und in der Pause den Hauptgang in Form eines Hähnchen-Lollys auf Gemüse der Saison. Als Dessert nach dem Happy End servierte Bertsch schließlich eine Orangencreme mit Schokotarte. Die Gerichte wurden im Nebenraum frisch zubereitet, danach in handliche Gläser gefüllt und von sieben Service-Kräften ans brav sitzen bleibende Publikum ausgeteilt. 

Dass es dabei ab und zu krümelte und kleckerte, tat der guten Stimmung wenig Abbruch. Bertsch, der mit seinem Team nach der Aufführung den Kinoraum wieder sauber schrubbte, ist denn auch fest entschlossen, das Angebot im Vierteljahrestakt zu wiederholen.

    sun

 Darmstädter Echo            vom 29.08.2007                           ( Kirsten Sundermann )   

 Als die Bilder laufen lernten

Kino-Geburtstag: Die Reichelsheimer Löwen-Lichtspiele blicken auf wechselvolle Geschichte in achtzig Jahern zurück

REICHELSHEIM. Achtzig Jahre ist es her, dass der Technik und Fortschritt begeisterte Reichelsheimer Friedrich Tritsch mit seiner Frau Marie beschloss, im Saal seines Gasthauses „Zum Löwen“ ein paar zusätzliche Stühle aufstellen und dort ab und zu einen Film über eine Leinwand flimmern zu lassen. Nicht nur die Bilder mussten damals das Laufen erst erlernen: Auch das Vorführen erforderte ein hohes Maß an Improvisation, zumal die Filme damals noch leicht entflammbar waren und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden mussten.

Die große Liebe zum neuen Medium übertrug sich auf Sohn Fritz und dessen Frau Erna, die Jahrzehnte lang das Werk des Vaters weiterführten. Und auch die dritte Generation Tritsch sorgt dafür, dass Opas Kintopp lebt: Nachdem Fritz Tritsch 1991 einen Schlaganfall erlitten hat und danach langsam tun musste, kümmern sich dessen Töchter Rosi Schnurr und Heidi Tritsch darum, dass die nostalgischen

 

Lampen weiterhin angehen im großen Saal mit den 216 Sitzplätzen, der in den Fünfzigerjahren komplett renoviert worden ist und seit Ende der achtziger Jahre über eine Dolby Surround Anlage verfügt.

Täglich Kino anzubieten, das schaffen die beiden berufstätigen Frauen indes nicht, auch wenn der harte Kern eines 2004 gebildeten Freundeskreises Reichelsheimer Kino beim Kartenverkauf und in der kleinen Bar mithilft. Aber zwei Mal pro Monat – immer am ersten und am dritten Wochenende – öffnen sich die Türen jeweils drei Tage lang für die Fans einer großen Leinwand, wobei im Wechsel „aktuelle Filme“ und Programmkino zu sehen sind.

Es gibt zwar, je nach angebotenem Film, auch viele Gelegenheitsbesucher, wissen die beiden Damen, aber vor allem trifft sich hier ein gut eingespieltes Stammpublikum. Die freuen sich dann nicht nur auf den Film, sondern auch darüber, einander wieder zu sehen, trinken oft ein Gläschen zusammen in dem kleinen Kassenvorraum und wissen, dass es angenehm ist, wenn sie sich, vor allem in der kühleren Jahreszeit, gleich beim Betreten des Saals eine der ausliegenden Wolldecken schnappen, um es sich darin auf ihren Sitzplätzen gemütlich zu machen. Und obwohl die 

 

Eintrittspreise mit – beispielsweise – 5,50 Euro für einen Logenplatz ausgesprochen günstig sind, erhalten Mehrfachbesucher die Chance, sich ein Kärtchen abstempeln zu lassen, das ihnen nach zehnmaligem bezahlten Eintritt eine Gratisvorführung garantiert.

Während der Sommermonate bleibt das Kino für das Publikum geschlossen und wird wieder schmuck gemacht für die neue Saison. Eingeläutet wird diese regelmäßig mit einem rauschenden Sommerfest. Am 1. September ist es wieder so weit. Und weil in diesem Jahr nicht nur Saisonbeginn, sondern auch das achtzigjährige Bestehen der Löwen-Lichtspiele gefeiert werden soll, wird es wohl besonders fröhlich zugehen. Ab 19 Uhr findet ein Sektempfang im großen Garten des Anwesens statt, bei dem auch Snacks und Getränke gereicht werden und wo selbstverständlich auch Kinder willkommen sind. Etwa um 21 Uhr beginnt dann die Vorführung des Filmes „Die Herbstzeitlosen“, ein „beschwingtes Feelgood-Movie über vier Seniorinnen, die sich in einem Emmentaler Dorf gegen den Stillstand auflehnen“, wie es im Vortext heißt.

Ab sofort soll das Programm auf monatlich aktualisierten Flyern angekündigt werden, die an mehreren Stellen in der Umgebung ausliegen. Auch auf der Internetseite www.kino-reichelsheim.de kann es eingesehen werden. Fans von Harry Potter sei schon verraten, „Der Orden des Phönix“ wird vom 5. bis zum 7. Oktober hier zu sehen sein.

    sun

 Darmstädter Echo            vom 02.09.2005                           ( Kirsten Sundermann )   

 Kleines Kino mit großem Programm

Überleben: Team betreibt erfolgreich die Löwen-Lichtspiele und feiert dies am Samstag

REICHELSHEIM. Die Löwen-Lichtspiele Reichelsheim bestehen seit einem Jahr als Programmkino und feiern dies am Samstag (3.) ab 18 Uhr mit besonderen Angeboten. Gewachsen ist das Programmheftchen von acht auf zwölf Din-A5-Seiten, auch das Titelblatt ist inzwischen bunt geworden. Zu Anfang wurden an jedem zweiten Wochenende und an einem Mittwoch pro Monat Filme vorgeführt. Inzwischen gibt es jeden Freitag, Samstag und Sonntag Programm, einmal pro Monat wird an einem Sonntagnachmittag ein Kinderfilm gezeigt, und der Mittwochtermin wurde auf dreimal pro Monat erhöht. Dann läuft immer „der besondere Film“, der meist ein Problemthema aufgreift, wie jetzt im September „Zeit der trunkenen Pferde“. Erzählt wird die Geschichte von fünf Geschwistern, die sich in den Kriegswirren im iranischen Kurdistan auf dramatische Weise durchs Leben kämpfen müssen.

Die Betreiber der Löwen-Lichtspiele wollen vor allem künstlerisch anspruchsvolle, aber auch sozialkritische, aktuelle Filme zeigen. So etwas gerät leicht zur finanziellen Gratwanderung, weshalb gelegentlich Kassenknüller wie „Star Wars“ Einnahmen bringen müssen. Denn der Gruppe entstehen monatlich für Strom, Gas, Versicherungen und Leihgebühren Fixkosten in Höhe von rund 350 Euro. Da bleibt selten Geld übrig, um die Hauptakteure für ihr Engagement zu entlohnen. Rund 35 bis 40 Stunden pro Monat arbeiten die beiden Töchter des früheren Kinobesitzers – Heidi Tritsch und Rosi Schnurr – mehr oder weniger ehrenamtlich im Dienst der Kultur und die Fränkisch-Crumbacherin Irene Witte bringt es gar auf rund 70 Stunden im Monat. Denn sie kümmert sich um die allgemeine Organisation mitsamt der Filmausleihe, studiert wöchentlich die Fachzeitschrift „Film-Echo“, führt oft die Filme selbst vor und hilft bei der Reinigung des rund 200 Personen fassenden Saales. Ein Freundeskreis, der sich 2004 auf Anregung der evangelischen Michaelsgemeinde gebildet hat, unterstützt das Leitungsteam. Sehr engagiert ist auch Thomas Panek, der die Internetseite (www.kino-reichelsheim.de) pflegt und das zweimonatlich erscheinende Programmheftchen gestaltet. 

Um über die Runden zu kommen, hat das Kinoteam daher die Eintrittspreise erhöht und sich ein zweites Standbein geschaffen: Es vermietet den Saal samt Vorraum für Theater- Musik- oder Kleinkunstauftritte, und stellt ihn auch für private Feiern inklusive Filmvorführung zur Verfügung.

Die Besucher erwartet zur Feier am Samstag um 18 Uhr zunächst die Premiere einer Radio-Dokumentation, die die beiden Journalistinnen Anke Hahn und Beate Meyer bei der Kino-Eröffnung vor einem Jahr für den Hessischen Rundfunk aufgenommen haben. Nach einer Pause im Garten des Kinogeländes, mit Snacks und Getränken, wird dann der Film „Zimt & Koriander“ zu sehen sein, ein „Film für Sinne, Gemüt, Intellekt und Humor“, wie die Veranstalter schreiben.

    sun

 Darmstädter Echo            vom 04.09.2004                           ( Kirsten Sundermann )   

 Neuanfang als Programmkino

Initiative: Freundeskreis will Reichelsheimer Löwen-Lichtspiele erhalten und geht Vorhaben mit Doppel-Filmnacht an

REICHELSHEIM. Mit einer Kino-Doppel-Nacht wagt der „Freundeskreis Löwen-Lichtspiele“ den Sprung in eine neue Ära des alten Kinos in Reichelsheim. Zur Feier der Wiedereröffnung lädt er die Fans der bewegten Bilder auf großer Leinwand für Samstag (4.) zur Vorstellung von zwei Komödien der Spitzenklasse ein: „Calendar Girls“ (GB; 2003; Regie Nigel Coole) und „Ganz oder gar nicht“ (USA; 1997; Regie Peter Cattaneo). Beginn der langen Filmnacht ist um 18 Uhr mit einem Sektempfang, der erste Film beginnt um 19 Uhr. Bevor um 22 Uhr der zweite Streifen startet, ist eine Pause mit Imbiss vorgesehen.

Zu verdanken ist die Wiederbelebung der Löwen-Lichtspiele dem Engagement von rund 25 Kintopp-Freunden aus Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach und Brensbach, die dem drohenden Verschwinden des alten Etablissements nicht tatenlos zusehen wollten. Zusammengefunden hatten sie sich auf Initiative der evangelischen Michaelsgemeinde Reichelsheim, nachdem im März der schwierige Überlebenskampf dieses Landkinos öffentlich
wurde (Odenwälder Echo vom 18. März: „Löwen-Lichtspiele beenden Tradition“).

Die Gruppe nahm Kontakt zu Familie Tritsch auf, den Besitzern und Gründern des 75 Jahre alten Kinos am Krautweg. und rannte dabei offene Türen ein. Vor allem die beiden Töchter des Hauses, Heidi Tritsch und Rosi Schnurr, zeigten sich begeistert von der Idee, das Kino fortan zusammen mit der Fränkisch-Crumbacher Cineastin Irene Witte und dem Freundeskreis als Programmkino weiterzuführen. 

Am ersten und dritten Wochenende in jedem Monat – jeweils am Freitag-, Samstag- und Sonntagabend um 20.15 Uhr – laden die 216 Plätze des Lichtspielhauses nun wieder zu vielfältigem Vergnügen. Im Wechsel werden künstlerisch anspruchsvolle oder klassische Hits und aktuelle Filme angeboten.

Unter anderem werden in diesem Jahr noch zu sehen sein: „Erbsen auf halb sechs“ (Oktober), „Bowling for Columbine“ (November) und „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ im Dezember. Die Auswahl der aktuellen Filme erfolgt kurzfristig und ist dem Aushang zu entnehmen. Das Betreiberteam greift dabei Wünsche und Anregungen der Zuschauer auf. Für Gruppen können auch Sondervorführungen arrangiert werden.

Die Eintrittspreise liegen zwischen vier und fünf Euro. Die Teilnahme an der Langen Filmnacht wird für acht Euro angeboten. Die beiden Filme werden am Sonntag (5.) und Montag (6.) jeweils 20.15 Uhr auch einzeln vorgeführt.

    sun

                           HR3 Hessenschau

 Darmstädter Echo            vom 18.03. 2004                           ( Werner Bräunig )   

"Löwen - Lichtspiele"  beendet Tradition

 

Kinobetrieb - Die beiden Töchter       des Besitzers Fritz Tritsch planen sporadische Spielfilmangebote ab diesem Monat

REICHELSHEIM.  Nach beinahe 80-jähriger Tätigkeit hat das Kino der Familie Tritsch den Betrieb mit seinen mehrmaligen wöchentlichen Filmabenden und wechselnden aktuellem Programm zum Jahreswechsel eingestellt.  Die Töchter des Besitzers Fritz Tritsch versuchen aber, mit sporadischen Spielfilmangeboten einmal im Monat einen Rest der einstmals großen Tradition der "LöwenLichtspiele" zu erhalten.  Auch hofft man im Gersprenztal und in der Umgebung, dass sich ein Filmclub etabliert, der Räumlichkeiten und Technik nutzt, damit nicht ein weiteres Stück Kulturgeschichte im Tal verloren geht. Mit der Schließung der "Löwen-Lichtspiele" hat auch das letzte der einst zahlreichen und populären Filmtheater im Gersprenztal seine regelmäßige Arbeit eingestellt.  In der Boomzeit des Kinos, vor und nach dem Zweiten Weltkrieg hatte fast jede selbständige Gemeinde sein.eigenes Lichtspieltheater.  Die Häuser von Fr änkisch-Crumbach, Brensbach, Groß-Bieberau und Reinheim wurden bereits vor Jahrzehnten geschlossen, zum Teil einer anderen Nutzung zugeführt oder stehen nun leer .Kino in Reichelsheim war für die Cineasten-Familie Tritsch schon  in den vergangenen zehn Jahren  mehr Liebhaberei als Broterwerb und Lebensgrundlage.  Während nach dem Krieg zeitweise fast täglich Fihne vorgeführt wurden, nahm der Besuch mit dem Aufkommen des Fernsehens ab. Auch das Geschäft mit Videorecordern und Filmverleih führte zu Rückgängen der Besucherzählen.  

 "Aber keine neue Technik führt zu solchen Einbrüchen wie die DVD's"', berichten die Töchter Heidi Tritsch und 'Rosemarie Schnurr.  Besonders Anfang vorigen Jahres:" Bei den jungen Leuten, früher ein fester Kundenstamm, hatte man den  Eindruck, die haben alle einen DVD-Brenner zu Weihnachten bekommen und  laden sich jetzt wie wild alles vom Intemet runter", berichten die beiden im Gespräch. "Im Februar/März 2003 brach uns beinahe schlagartig noch einmal die Hälfte der Besucher weg",  sagt dazu der Kinobesitzer Fritz Trisch.  Die Kino-Geschichte begann in Reichelsheim im Jahr 1927.  Der Vater des jetzigen Besitzers Friedrich Tritsch - fasziniert von der neuen Technik - führte imTanzsaal des Gasthauses  "Zum Löwen' erste Stummfilme mit einem neu erworbenem Projektor vor.  Professionell    begleitet, "wie in der Stadt", auf dem Klavier  von dem Reichelsbeimer FritzWemer    ("Weißbinder Wemer").   Der Eintrittspreis betrug   25  Pfennige.                                FritzTritsch                                                                              von Anfang  andabei                                                                 Die  "Reichelsheimer Lichtspiele' waren   geboren.  Fritz Tritsch war "als kleiner Bub von Anfang an dabei".  1930 begann dann die Tonfilm-Ära und bereits 1937 als Dreizehnjähriger  hatte er sein Debüt als Filmvorführer.  Seinerzeit ging das nur mit Lehrgang  und einer Prüfung auf der Ingenieurschule in Frankfurt, denn die damaligen Zelluloid-Filme waren leicht entflammbar und brannten  explosionsartig ab.  Der Saal erhielt schon in den dreißiger Jahren eine Schräge und eine feste Bestuhlung..Es folgte der Krieg,  wo die Männer alle eingezogen wurden, sodass die Mutter Marie Trietsch den Betrieb aufrecht erhalten musste. "Noch während  des Krieges,, aber besonders in den Jahren nach Kriegsende, hatten die Besucher in der kalten Jahreszeit neben ihrem Eintritt ein Stück Holz oder Brikett mitzubringen, damit die Dampfheizung betrieben werden konnte", heißt es in der neuen Chronik  der  Gemeinde. In den fünfziger Jahren boomte das   Unternehmen.  1955 wurde nochmals umfassend renoviert und in "Löwen-Lichtspiele' umbenannt. Der Saal wurde erneuert, wie er noch heute existiert, und 

  vor allem gab es eine neue Technik mit den Bauer-Projektoren, die immer noch ihren Dienst leisten.  "Solide gebaut, so etwas gibt es heute gar nicht mehr", merkte Fritz Tritsch beim Gespräch in dieser Woche an.  Es war die , Hochzeit des Kintopp in Deutschland, bis mit dem Aufkommen des Fernsehens die Besucherzahlen zurückgingen und viele der Kinos nach und nach schließen mussten. Totzdem              nvestierte die Farnilie Tritsch weiter, um das Kino zu erhalten. 1993 kam noch einmal mit einer Dolby-Surround-Anlage moderne Tontechnik  in das Lichtspieltheater, zwei Jahre vorher waren die Töchter Heidi und Rosemarie eingestiegen. Die beiden ebenfalls vom Filmvirus befallenen Töchter wollen nun versuchen, mit speziellen Filmabenden einmal im Monat die Tradition zu wahren, zumal mit der 14-jährigen Thea, der Todhter von Heidi Tritsch, die Urenkelin des Gründers, in die Fußstapfen der Familie getreten ist Seit dem Vorjahr fährt sie selbstständig Filme vor.  Ihr 80-jähriger Großvater ist immer noch aktiv und soll es bleiben.  Wie die Kinder erzählen, klebt er und bereitet die Filme für die Kinoabende vor. Einzelheiten zu den geplanten monatlichen Filmabenden stehen auf der Web-Seite www.kino-reichelsheim.de. Am kommenden Wochenende soll so von 26. bis 28. März jeweils 20.15 Uhr der Film "Was das Herz begehrt" mit Jack Nickolson und Diane Keaton gezeigt werden.  Ab April sind der deutsch-türkische Berlinale-Beitrag  "Gegen die Wand', der Naturfilm ".Deep Blue" und Mel Gibson-Film   "The Passion of the Christ" geplant.

   bfc


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loewen-lichtspiele@freenet.de